Die „#Schachnovelle“ in der Originalversion.#Stefan_Zweig.#Literatur

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Klemens Renoldner, der Leiter des Stefan Zweig Centre in den „Salzburger Nachrichten“ vom 13.März 2013 über die letzten Tage im Leben Zweigs und dessen letzte Arbeit, „Schachnovelle“ :

Stefan Zweig hat mehrere Texte als Fragment hinterlassen. Bei der „Schachnovelle“ war es ihm offensichtlich wichtig, sie fertigzustellen. Am Vormittag des 21. Februar 1942, ein Samstag, hat er drei Exemplare des Typoskripts zur Post gebracht, adressiert an zwei Verleger in New York und einen Übersetzer in Buenos Aires. Ein Exemplar blieb in Petropolis für den brasilianischen Verleger. Am Sonntagabend nahmen er und seine Frau Lotte eine Überdosis Veronal. Am Montag, dem 23. Februar, wurden sie von der Haushälterin tot aufgefunden.

Noch am Samstagabend hatten die Zweigs einen befreundeten Berliner Journalisten und seine Frau zu sich eingeladen. Stefan Zweig spielte mit ihm Schach und schenkte ihm zum Abschied seine Schreibmaschine, was der natürlich nicht verstand. Ein Schriftsteller ohne Schreibmaschine?

Seine Frau Lotte und er haben den Abschied genau vorbereitet. In diesem Plan war es wichtig, dass die „Schachnovelle“ fertig ist und als letztes Werk in vier Weltsprachen veröffentlicht wird.

Der Reclam-Verlag bringt nächste Woche die „Schachnovelle“ als gelbes Reclam-Heftin der Originalversion heraus, so wie sie Zweig geschrieben und in Petropolis zur Post gebracht hat.

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Die „Schachnovelle“ ist Stefan Zweigs letztes Werk. Vier Abschriften ließ er von seiner Frau Lotte herstellen und versendete sie an verschiedene Verleger, bevor beide zusammen 1942 im brasilianischen Petropolis den Freitod wählten. Nach dem Krieg entwickelte sich die Erzählung zum Klassiker. Der Herausgeber Klemens Renoldner vom Stefan Zweig Centre in Salzburg verglich die drei noch erhaltenen Typoskripte und erstellte auf diese Weise zum ersten Mal einen verlässlichen Text. Ein genauer Zeilenkommentar sowie ein informiertes Nachwort erschließen dieses wichtige Dokument .

Weitere Artikel über STEFN ZWEIG in diesem Blog:

Zum siebzigsten Todestag von Stefan Zweig, der sich in der Nacht vom 22. zum 23. Februar 1942 gemeinsam mit seiner zweiten Frau im brasilianischen Exil das Leben nahm, hat die israelische Nationalbibliothek Digitalisate der Briefe des österreichischen Autors auf ihrer Website zugänglich gemacht, darunter die Korrespondenzen mit Albert Einstein und Sigmund Freud.

Stefan Zweig hatte schon 1933 Kontakt zur israelischen Nationalbibliothek aufgenommen und sein Interesse signalisiert, Dokumente aus seinem persönlichen Archiv dort zu deponieren. Zu den nun ins Netz gestellten Briefen gehört auch sein am 22. Februar 1942 verfasster Abschiedsbrief, den ein jüdischer Arzt zwanzig Jahre nach dem Tod Zweigs von den brasilianischen Behörden erworben und in den 1990er Jahren der Bibliothek überantwortet hat.

„Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen aus dem Leben scheide, drängt es mich, eine letzte Pflicht zu erfüllen: diesem wundervollen Lande Brasilien innig zu danken, daß es mir und meiner Arbeit so gut und gastlich Rast gegeben. Mit jedem Tage habe ich dies Land mehr lieben gelernt, und nirgends hätte ich mir mein Leben lieber vom Grunde aus neu aufgebaut, nachdem die Heimat meiner Sprache für mich untergegangen ist und meine geistige Heimat Europa sich selber vernichtet. Aber nach dem 60. Jahre bedürfte es besonderer Kräfte, um noch einmal völlig neu zu beginnen. Und die meinen sind durch die langen Jahre heimatlosen Wanderns erschöpft. So halte ich es für besser, rechtzeitig und in aufrechter Haltung ein Leben abzuschließen, dem geistige Arbeit immer die lauterste Freude und persönliche Freiheit das höchste Gut dieser Erde gewesen. Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen, nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.“

STEFAN ZWEIG UND SALZBURG

Nach dem Ende des II.Weltkriegs kehrte Zweig nach Österreich zurück; er lebte in Salzburg im Paschender Schlössl am Kapuzinerberg. Im Januar 1920 heiratete er die von dem Journalisten Dr. Felix von Winternitz geschiedene Friderike von Winternitz, die zwei Töchter in die Ehe brachte. Wie viele Literaten und Kuenstler dieser Zeit hatte er seinen Stammplatz im „Café Bazar“. Durch die Renovierung durch die neue Eigentümerfamilie sind sowohl die legendären Sitzgelegenheiten wie auch die wunderbare Aura des von der Familie Tomaselli jahrelang auf höchstem Niveau geführten Kaffeehauses verloren gegangen.
Als engagierter Intellektueller trat Stefan Zweig vehement gegen Nationalismus und Revanchismus ein und warb für die Idee eines geistig geeinten Europas. Er schrieb viel während dieser Zeit: Erzählungen, Dramen, Novellen. Die historischen Momentaufnahmen“ Sternstunden der Menschheit “ von 1927 zählen bis heute zu seinen erfolgreichsten Büchern.
1928 bereiste Stefan Zweig die Sowjetunion, wo seine Bücher auf Betreiben von Maxim Gorki, mit dem er im Briefwechsel stand, auch auf Russisch erschienen. Sein 1931 erschienenes Buch „Die Heilung durch den Geist “ widmete er Albert Einstein. 1933 verfasste Zweig das Libretto für die Oper „Die schweigsame Frau“ von Richard Strauss.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im Deutschen Reich im Jahre 1933 wurde deren Einfluss auch in Österreich in Form von Bombenterror und unverhohlenen Auftritten der SA spürbar. Die Christlichsozialen setzten sich gegen die Nationalsozialisten zur Wehr – z. B. durch ein Verbot der NSDAP nach einem Handgranatenüberfall auf Christliche Wehrturner – und schafften zugleich die Demokratie ab, um die Sozialdemokraten auszuschalten .
Am 18. Februar 1934, wenige Tage nach dem Februaraufstand der Sozialdemokraten gegen den austrofaschistischen Ständestaat, durchsuchten vier Polizisten das Haus des erklärten Pazifisten Stefan Zweig. Er wurde verdaechtigt, in seinem Haus Waffen des Republikanischen Schutzbundes zu verstecken. Zwei Tage danach stieg Zweig in den Zug und emigrierte nach London.

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Klemens Renoldner, der Leiter des Stefan Zweig Centre in den „Salzburger Nachrichten“ vom 13.März 2013 über die letzten Tage im Leben Zweigs und dessen letzte Arbeit, „Schachnovelle“ :

Stefan Zweig hat mehrere Texte als Fragment hinterlassen. Bei der „Schachnovelle“ war es ihm offensichtlich wichtig, sie fertigzustellen. Am Vormittag des 21. Februar 1942, ein Samstag, hat er drei Exemplare des Typoskripts zur Post gebracht, adressiert an zwei Verleger in New York und einen Übersetzer in Buenos Aires. Ein Exemplar blieb in Petropolis für den brasilianischen Verleger. Am Sonntagabend nahmen er und seine Frau Lotte eine Überdosis Veronal. Am Montag, dem 23. Februar, wurden sie von der Haushälterin tot aufgefunden.

Noch am Samstagabend hatten die Zweigs einen befreundeten Berliner Journalisten und seine Frau zu sich eingeladen. Stefan Zweig spielte mit ihm Schach und schenkte ihm zum Abschied seine Schreibmaschine, was der natürlich nicht verstand. Ein Schriftsteller ohne Schreibmaschine?

Seine Frau Lotte und er haben den Abschied genau vorbereitet. In diesem Plan war es wichtig, dass die „Schachnovelle“ fertig ist und als letztes Werk in vier Weltsprachen veröffentlicht wird.

Der Reclam-Verlag bringt nächste Woche die „Schachnovelle“ als gelbes Reclam-Heftin der Originalversion heraus, so wie sie Zweig geschrieben und in Petropolis zur Post gebracht hat.

Die „Schachnovelle“ ist Stefan Zweigs letztes Werk. Vier Abschriften ließ er von seiner Frau Lotte herstellen und versendete sie an verschiedene Verleger, bevor beide zusammen 1942 im brasilianischen Petropolis den Freitod wählten. Nach dem Krieg entwickelte sich die Erzählung zum Klassiker. Der Herausgeber Klemens Renoldner vom Stefan Zweig Centre in Salzburg verglich die drei noch erhaltenen Typoskripte und erstellte auf diese Weise zum ersten Mal einen verlässlichen Text. Ein genauer Zeilenkommentar sowie ein informiertes Nachwort erschließen dieses wichtige Dokument .

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