DIE ORF-UNTERHALTUNG IST AUF DEN HUND GEKOMMEN

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Das kommt eben davon, wenn ratlose Unterhaltungschefs

ein Mischmasch-Casting

veranstalten. Die ORF-Show „Die große Chance“ wirbelte tanzende Kinder, Jonglage, Hundedressur und den einen oder anderen Pop-Act durcheinander. Dass ein tanzender Hund das größte Talent von allen war, haben die Zuseher per Telefon-Voting entschieden .

Ich nehme an, dass die meisten Stimmen für das Hunderl aus Wien gekommen sind,wo die Gassi-Spuren an allen Hausecken von großer Tierliebe zeugen.

Kurz vor Weihnachten 2009 wählte das RTL-Publikum den Jack-Russell-Terrier Prima Donna zum Supertalent. Im Janur 2010 wurden beim Tier Stresssymptome festgestellt.In der Pressemitteilung des Managements hiess es:

„Innerhalb der erlebnisreichen letzten Wochen kam es während der Aufnahmen für einen TV-Auftritt zu Zündungen von Pyro-Technik- Elementen, die Prima Donna verschreckt haben“. Nun befinde sich das Tier in einem Genesungsprozess.

Die Feststellung liegt nahe: auch im ORF ist die Unterhaltung endgültig auf den Hund gekommen… Eine Genesung ist nicht in Sicht.

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Von Günter Verdin

Der ORF tut wirklich alles, um seine lahme Talente-Show „Die große Chance“ im Gerede zu halten. Mit dem Schlimmsten hätten selbst die trösten Nörgler nicht gerechnet: Rapper Sido, der dem Society-Spürhund Dominik Heinzl eine Watschen mit der Faust verabreicht hat , wodurch dieser -gespielt oder nicht- zu Boden sank, war vom ORF als Juror fristlos entlassen worden.

Nun die für Österreich typische knieweiche Kehrtwende. „Wir geben Sido nach intensiven Gesprächen und reiflicher Überlegung eine zweite Chance – es ist seine große, aber auch letzte“, stellte Fernsehdirektorin Kathrin Zechner in einer Mitteilung klar. Weiter heißt es in der butterweichen Erklärung der von starkem Rückgrat kaum geplagten Managerin: „Wir wollen mit dieser Entscheidung ein Beispiel geben, dass am Ende eines Streits idealerweise Aussprache und Versöhnung steht“, sagte Zechner.

Im Gegensatz zu der vorwiegend fachkundigen Jury bei den österreichischen „Dancing Stars“ setzt sich das Gremium für die „Große Chance“ wie folgt zusammen:

aus einem Rapper, der sein Herz für Österreich
unangenehm schleimig auf der Zunge trägt,

einer aparten Solotänzerin, die sich hauptberuflich für die Dauerpräsenz in Klatschspalten entschieden hat,

einer Sängerin aus dem volkstümlichen Bereich

und einem ehemaligen Quizonkel .

Der einzige, der wirklich etwas vom Showbiz verstand, war der urgemütliche Bernhard Paul, der Direktor des Zirkus Roncalli. Paul hat die große Chance ergriffen und sich von den Jury-Dilettanten rechtzeitig abgesetzt.

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#THE_VOICE hat #DAS_SUPERTALENT mit #X_FACTOR

Von Günter Verdin

Müssen wir alle uns nicht ein Leben lang irgendwo vorstellen, bewerben, irgendwen von unserer speziellen Begabung und unseren Fähigkeiten überzeugen? Ist das Leben an sich also nicht eine einzige Casting-Show? Unter diesem Aspekt spiegelt das Wochenend-Programm im österreichischen und im deutschen Fernsehen durchaus das Leben wieder. In der irgendwie putzigen „Großen Chance“ des ORF boxt man sich neuerdings durch und raus (Sido vs. Heinzl), gegen die große Zirkus-Show „Das Supertalent“ (RTL) wirkt das österreichische Angebot allerdings wie Ringelpiez mit Anfassen.

Zwei Formate stechen in ihrem Anspruch auf Ernsthaftigkeit und Respekt im menschlichen Miteinander aus dem Angebot im öffentlichen Show-Casting heraus: „X-Factor“ (VOX) und „The Voice of Germany“ (Donnerstag: Pro7; Freitag:SAT1).

Bei „X-Factor“ sind die Spielregeln kompliziert: es gibt vier Phasen vom Casting über das „Juryhaus“ bis zu den Live-Shows , ausserdem werden die Kandidaten in vier Alters-Gruppen unterteilt. Die vier Jury-Mitglieder, darunter die nun haarmäßig erdunkelte Sarah Connor und der Xavier Naidoo-Entdecker Moses Pelham, betreuen ihre Schützlinge mit fachmenschlichem Know-How und viel Ermutigung. Der Blick hinter die Kulissen, also in die Workshops, ist interessant und zäh in einem.

Stringenter geht es bei der zur Zeit im deutschsprachigen Raum besten Casting-Show „The Voice of Germany“ zu: die Kandidaten, darunter auch viele Profi-Künstler, die das Background-Singen satt haben, müssen die Juroren , die von der Bühne abgewandt sitzen, allein durch ihre Stimme überzeugen. Das gelang zum Beispiel der an Epilepsie leidenden Freaky T Tanja (35) mit dem Song “Ordinary People” von John Legend. Dass in den Casting-Shows auch Menschen mit Behinderung eine reelle Chance bekommen, ist ein weiterer Beweis, dass sie sich nicht der Realität verschließen.

Selbst der schnoddrige, ziemlich abgebrühte Dieter Bohlen ließ sich am Samstag im „Supertalent“ von einem Pas de Deux eines jungen Rollstuhlfahrers mit seiner nichtbehinderten Freundin beeindrucken.

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