#KURZ_Geschichten von #Günter_Verdin ( die Neunte, die Zehnte und die Elfte)

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Herr Kurz wird am Eingang

zur Diskothek abgewiesen.

„Wenn uns diese Pforten verschlossen sind,“

sagt Herr Kurz zu seiner Begleiterin,

„so müssen es die Pforten zum Paradies sein.

Denn in die Hölle kann jeder,

in dasParadies nicht.“

„Wenn dies also die Pforten

zum Paradies sind,“ sagt Herr Kurz,

„dann werden wir dahinter

nicht finden, war wir suchen:

Laster und Kurzweil,

Lärm und Ausschweifungen.“

„Deswegen,“ schließt Herr Kurz,

„lasse uns höllisch aufpassen,

dass wir nicht hineinkommen!“

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Herr Kurz sucht das Abenteuer

möglichst zu meiden.

Doch es findet ihn immer.

Herr Kurz im Teufelsmoor.

Werwolf vertreibt sich die Zeit mit Unwesen.

Der Vampir trinkt ausgewähltes Blut aus Bukarest

( Blut aus Amerika trinkt der Vampir nicht mehr).

Wunderschöne Hexen kehren mit eisernem Besen

ihre Greueltaten unter den Tisch.

Der Tisch hat vier Menschenbeine.

Die Beine stecken in Wehrmachtstiefeln.

Die Stiefeln sind halb im Moor versunken.

Nie ist Herr Kurz über den Bodensee geritten.

Nun muss er durchs Teufelsmoor.

Die Angst schnürt Herrn Kurz die Kehle zu.

Doch er denkt:

a. Der Werwolf hat unzählige Menschen zerrissen.

b. Der Vampir holt sich täglich neue Opfer (nur nicht aus Amerika)

c. Die Hexen werden weiter foltern und massakrieren.

Jedoch:

ebensogut wie ich mich frage,

warum ausgerechnet mir

es nicht ebenso ergehen sollte,

könnte ich auch fragen:

warum gerade mir?

Herr Kurz hat augenblicklich seine Sprache wieder.

„Die Gefahr ändert sich nicht,“ sagt er,

„aber unsere Einstellung dazu.

Das Moor hat seine Schuldigkeit getan.

Ich gehe nun!“

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Herr Kurz gleicht einem

unbewaldeten Erdtrabanten,so kugelig ist er

und grenzlos haarverödet

und ganz und gar nicht von dieser Welt.

„Ich fühle mich wie ein unbewaldeter Erdtrabant.“

sagt Herr Kurz zu seiner schönen Freundin.

Sie betrachtet ihn durch das Teleskop michglasverschwommener Zuneigung.

„Du bist mein unbewaldeter Erdtrabant!“

flüstert sie zärtlich und fühlt augenblicklich, wie ihre Anziehungskraft schwindet.

„Das darfst du nie wieder sagen!“

bebt Herr Kurz.

„Nie wieder, sage ich dir!“

Die Schöne hängt ratlos im Raum.

„Siehe,“ sagt Herr Kurz,

„wenn ich sage,

ich fühle mich wie ein unbewaldeter Erdtrabant,

so nehme ich eine Last

von den Schultern meiner Seele.

Wenn du es sagst,

verdoppelst du die Last.“

Die Schöne schwieg bedrückt.

„Nun siehe,“ sagte Herr Kurz,

„wenn ich sage, dass du schön bist,

so füge ich dir etwas bei.

Wenn du es sagst,

ist es eitel.“

Die Schöne strahlte sonnengleich.

Der Mond am Himmel schwieg.

Er war auch gar nicht gefragt worden.

Anmerkung zum Foto:

Anlässlich des Status als Europäische Kulturhauptstadt 2013 hat der französische Künstler Bruno Catalano zehn lebensgroße Figuren aus Bronze am Hafen von Marseille verteilt. Er nennt die Kunstaktion “Travellers”.

Die Figuren wirken, als wären sie noch nicht ganz angekommen, oder schon wieder halb abgereist.

Dabei hat das Reisemotiv natürlich auch einen ganz praktischen Hintergrund – das Gepäckstück dient als Bindeglied zwischen Rumpf und Beinen…

Redaktionelle Mitarbeit: Alexander Tomo

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#KURZ_Geschichten von #GÜNTER _VERDIN ( die Erste, die Zweite und die Dritte)

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Herr Kurz kommt selten
nicht zu spät.
„Da Zeit relativ ist,“ sagt Herr Kurz,
„komme ich relativ pünktlich.“

2 Herr Kurz isst ab und zu Abend.

In einem sterneübersäten Restaurant.

Hummerkrabben – frische Ernte.

Rosenkohl – gestern erlegt.

Elegante Gäste – frisch eingefangen.

Erlesene Köche – bester Jahrgang.

Marinierte Kellner.

Herr Kurz beobachtet den Eingang.

Zwei Männer knallen meteoritenhaft in die Oberflächlichkeit.

Sie befremden, s`il vous plait.

Der Maitre erklärt den Speisetempel für ausreserviert.

Nur Stammgäste, as you know? Arrividerci.

Man sehe es doch gleich, der Ober zwinkert mit den Ohren,

diese Leute seien anders.

Wie anders, fragt Herr Kurz.

Sagt der Ober, dass sie die Rechnung nicht bezahlen.

Nun gut, sagt Herr Kurz: Ich möchte noch ein Glas Moet……

eine schwarze Zigarre….

und die Rechnung bitte.

Herr Kurz trinkt Champagner.

Herr Kurz raucht eine schwarze Zigarre.

Seine Geschmacksnerven addieren die einzelnen Posten.

Sie runden die Summe um 10 % zur Behaglichkeit auf.

Dann sagt Herr Kurz: Herr Ober, wie doch der Schein trügt.

Sie haben die Falschen hinauskomplimentiert.

Ich kann die Rechnung nicht bezahlen.

Auf der Polizeiwache findet man mehrere 500-Euro-Scheine bei Herrn Kurz.

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Herr Kurz diniert in einem 7 Sterne – Restaurant.

Jeder Tisch wird von 7 Angestellten umsorgt.

Jeder Angestellte ist ein Stern erster Güte.

Der Gast ist hier König.

14 Augenpaare sorgen dafür, dass die Etikette gewahrt wird.

„Hat der Aperitiv gemundet?“
<p<Herr Kurz schnalzt geniesserisch.

„Hatte der Aperitiv genehme Temperatur?“

Herr Kurz nickt kühl.

„Sie haben den feinen Nachgeschmack genossen? Spezialität des Hauses. Curacao!“

Herr Kurz fühlt sich geehrt. „

„Darf ich das Glas abservieren?“

Herr Kurz nickt überwältigt.

„Die Wahl des Aperitivs beweist Ihren guten Geschmack, mein Herr.“

Herr Kurz lächelt dezent.

„Einen besseren Einstieg in Ihr 7 Gang-Menü kann ich mir schwerlich vorstellen.“

Herr Kurz hält sich die Hand vor den Schluckauf.

„Nur für das nächste Mal: wie fanden Sie den Zuckerzitronenrand?“

Herr Kurz züngelt über die Lippen.

Das Mahl kann beginnen.

7 Gänge 7 Angestellte, 49 höfliche Fragen.

Der Gast ist hier König.

Könige sind sehr gefragt.

Am Imbisstand, wo Herr Kurz bisweilen sich einer Wurst widmet, gibt es nur einen Angestellten. Der dicke Mann, der die Würste aus dem heißen Wasser holt, legt sie auf einen Pappteller und löffelt wortlos Senf dazu.

Wo du auch einkehrst:

es gibt jeder seinen Senf dazu.

Richlings Letztes Abendmahl in #Weinheim.#Kabarett

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Letztes Abendmahl des Kabinetts

Weinheim. Mathias Richling beherrscht etwas Schwieriges: Politiker-Parodien ohne plumpe Nachahmung. Er seziert ihre Persönlichkeit so lange, bis sie Eigenarten und Ticks zeigen, die sie in Wirklichkeit gar nicht haben, aber aufgrund ihres Auftretens haben könnten. Man denke nur an „seine“ Ulla Schmitt, die ehemalige Gesundheitsministerin, die er ständig die Nase hochziehen ließ, weil sie so nasal sprach oder „seinen“ Franz Müntefering, der zwischen den Reden Schnappbewegungen mit den Lippen vollführte.

Mit seinem aktuellen Programm „Der Richling Code“, unter der Regie von Günter Verdin, gastierte der gebürtige Waiblinger am Samstag in der Stadthalle, wo er mit enthusiastischem Beifall und häufigem Zwischenapplaus gefeiert wurde. Das Bühnenbild beschränkt sich nicht, wie im Kabarett sonst üblich, auf Stuhl und Mikro. Da er den Namen seines Programmes von dem Romantitel „Der Da Vinci Code“ ableitet, bildete Da Vincis berühmte Abendmahlszene den Hintergrund. Im Vordergrund ist eine lange Tafel mit Namensschildern aufgebaut: das letzte Abendmahl des Kabinetts.

Selbstverständlich übernimmt Richling von Bosbach über Pofalla bis Gysi alle Rollen, schlüpft authentisch in die Rollen. Den Mittelpunkt der Tafel bildet ein roter Blazer auf einem Kleiderständer, hinter den sich Richling nach Bedarf stellt, sein spitzbübisches Gesicht herausschauen lässt und die Hände zum berühmten Dreieck formt. Ehe er im Merkel’schen Tonfall die Unzufriedenen im Lande warnt. „Wir können auch mal anfangen zu regieren, dann hört der Spaß aber auf.“ Zur Gesundheitspolitik: Man kann sich kaum noch erlauben, krank zu werden. Dafür kann man jetzt, wie früher auf seine Rolex, auf seinen Novo-Virus stolz sein.

In Gedankensprüngen kommt er zu neuen Themen, während er über die Bühne wieselt. Genial gerät sein „Maischberger-Interview“ mit dem Kettenraucher der Nation, Helmut Schmitt. Richling hat jede Bewegung und Angewohnheit einer Person studiert. So lässt er den Altkanzler nach der Frage zur Eurokrise erst einmal inhalieren, schmatzen und husten, ehe er antwortet: „Das interessanteste an der Eurokrise ist, dass es sie gar nicht gibt.“

Richlings kunstvolle Masken, die er ihm Fernsehen zu seinen Parodien trägt, werden nicht vermisst.

Köstlich ist seine Bundespräsidenten-Rede, die er mit „Ehre sei Gauck in der Höhe“ beginnt und weiterspinnt, „Euch ist ein Bundespräsident geboren. Ich danke mir, dass Ihr die Geduld hattet, auf mich zu warten.“ Dann schiebt er einen Stuhl heran und man ahnt, was jetzt kommt. „Sie können dankbar sein, dass wir uns ein Sparpaket ,leischten‘ können“, meint unser aller Finanzminister. Und diese 190 Millionen für Griechenland seien ja nur eine Bürgschaft. Wenn die wirklich mal gebraucht würde, könne man sie mit Kreditkarte bezahlen. „Dann bleiben uns immerhin noch vier Wochen, bis sie abgebucht wird.“ Auch Schuldenberater Peter Zwegat wird samt Grimassen parodiert.

Das Lachen sitzt beim Zuschauer weniger locker, wenn Richling einen roten Mantel überwirft und als Kardinal Zollitsch feststellt, dass ein Priester ja gar keinen Intimbereich zu haben pflege. Mit dem Zöllibat sei ja nur die Ehe zwischen Mann und Frau gemeint, von Kindern sei keine Rede. Doch Richling endet humorvoll. Neu Im Programm hat er seinen Winfried Kretschmann. Bewegung und Stimme sind nahezu identisch. Das Publikum tobt. Wer nach zwei Stunden ohne Pause immer noch nicht genug Richling hatte, konnte am Büchertisch sein Buch „Deutschland to go“ erstehen und mit dem Altmeister der Satire ein Schwätzchen halten. rav

Aus:
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