Die #Show muss nicht weitergehen!

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Unfairer Wettbewerb: auf der Suche nach dem „Supertalent“ (RTL) treten Vollprofis wie Pavel gegen blutige Laien an

Von Günter Verdin

Beim Thema UNTERHALTUNG können, wie beim Thema FUSSBALL wirklich alle mitreden. Darf ich auch mal?

Ich finde die hämischen Kommentare über „Wetten, dass..?“ und Markus Lanz in unseren Intellektuellengazetten nur mehr albern . Reine Platzverschwendung! Nichts ist dümmer und fragwürdiger, als sich an einer Unterhaltungssendung dermaßen zu reiben, dass es an Selbstbefriedigung grenzt.

Als wenn wir es nicht schon längst wüssten: Unterhaltungsshows im deutschsprachigen Fernsehen sind nur im Vorüberzappen ohne Schaden zu nehmen zu ertragen. Und beim Zappen zwischen ZDF und RTL, wo zeitgleich „Das Supertalent“ lief, trat ein Grundproblem heimischer Shows zutage: sie werden, um Sendezeit zu füllen und um möglichst viele Werbeblöcke unterzubringen, aufgebläht und zerdehnt, dass man die Weight Watchers zu Hilfe rufen möchte.

Bei „Wetten, dass…?“ verplaudert sich nicht nur Markus Lanz konsequent, sondern werden auch die Wettkandidaten in viel zu langen Einspielfilmen „porträtiert“. Das hat man von den Privaten abgekupfert, wo dieser human touch überdosiert eingesetzt wird.

Der RTL-Show „Das Supertalent“ liegt ein sehr schlichtes Konzept zugrunde: Herr und Frau Jedermann können mit ihren Kunststücken schlimmstenfalls sich böse blamieren und bestenfalls reüssieren. Um die SHOW aufzupeppen, werden vom Sender Profis aus dem artistischen Bereich zugekauft, so dass das Flair von Zirkus und Varieté über allem schwebt. Von fairem Wettbewerb zwischen Laien und versierten Entertainern kann keine Rede sein. Ohne Zweifel gibt es aber auch hier magische Momente, wie am Samstag die Handstand-Akrobatik des athletischen Ukrainers Pavel oder die spirituelle Botschaft eines jungen Mannes , der mit Leuchtstift kitschige Bilder malt. Beide sind Voll-Profis: Pavel , zum Beispiel ,der aus einer Artistenfamilie stammt,hat mit seiner Handstand-Equilibristik 2011 in Paris die Bronze-Medaille beim “32. Festival Mondial du Cirque de Demain” gewonnen.

Eine SHOW wirkt nur, wenn sie überrumpelt, wenn die Effekte Schlag auf Schlag kommen. Doch auch bei RTL wird alles zerredet von Juroren, die weder Sachkenntnis, Verstand oder wenigstens Respekt haben. Die Selbstgefälligkeit der Herren und der merkwürdigen Dame kennt keine Grenze. Was ist von einer Jury zu halten, in der ein Dieter Bohlen noch am intelligentesten wirkt?
Der Abstieg der Show als Phänomen begann mit ihrer Demokratisierung: natürlich verfügen auch Laien über wunderbare und bezaubernde Fähigkeiten. Der Eindruck von Schulabschlussfeiern liesse sich allerdings nur dann vermeiden, wenn diese Laien jahrelang an ihrer Begabung feilen würden und dann als Profis wiederkämen…

Schlag den Lanz! Wetten, dass es besser gut?

Von Günter Verdin/

Thomas Gottschalk ist der Entertainer, Markus Lanz der Show-Arbeiter, der sich redlich bemüht. „Wetten, dass…?“ mit Gottschalk war eine internationale Show, in der der Zuseher jederzeit mit Überraschungen rechnen durfte ( und das hielt die Spannung zumindest oft auch über drei Stunden am Köcheln ). „Wetten, dass…?“ mit Markus Lanz ist , wenn man die Premiere zum Maßstab nimmt, zu Hause angekommen, also ziemlich provinziell. Da ändert auch die „Schlag den Lanz“-Wette nichts, in der der sportliche Moderator sich mit Herausforderern aus dem Publikum misst. Nicht nur bei der Regie, der sämtliche dramaturgische Fäden entglitten , auch beim Ü-Technik-Team des ZDF muss heftig nachgebessert werden. Und der sehr telegene, sehr sympathische Lanz sollte aufhören, eine Samstagabend-Show in eine zähflüssige Talkshow mit begrenztem Informationsgehalt zu verwandeln. Also, um es kürzer als die sich offensichtlich naturgesetzlich selbstauswalzende Sendung zu machen: bitte viel mehr Show, mehr Action, und , ach, weniger Geplauder. Dann könnte „Wetten,dass…?“ wieder mehr werden als nette Samstagabend-Unterhaltung, wo man nix versäumt, wenn man zwischendurch mal ein Vollbad nimmt, oder aufs Klo muss.

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